Transport Fever im Test

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Nach ihrem erfolgreichen Debut “Train Fever” legen die Entwickler von Urban Games nach: Seit heute ist mit Transport Fever ihr neuestes Spiel im den Läden. Ob es seinen Preis wert ist, könnt Ihr hier bei uns lesen.

Im September 2014 erblickte mit Train Fever ein sehr ambitioniertes Tycoon-Spiel das Licht der Welt. Es punktete mit starker Mod-Integration unter anderem über Steam Workshop, sehr realistischen Fahrzeugmodellen, einer bespielbaren Zeitspanne von über 150 Jahren und hübscher Grafik. Mit Transport Fever entwickelt Urban Games diesen ersten Erfolg konsequent weiter. 

Das Spielprinzip

In Transport Fever geht es wie bei Tycoon-Spielen üblich um den schnöden Mammom. Und zwar möglichst viel davon. Man erstellt möglichst gewinnorientiert Transportlinien, um Güter und Menschen schnellstmöglich ihrem Zielort zuzuführen. Dazu stehen dem Spieler ein ganzer Fuhrpark an verschiedenen Lokomotiven, Güter- und Passagierwaggons und Straßenfahrzeuge sowie eine Auswahl an Schiffen und Flugzeugen zur Verfügung, die nach und nach ab einem Gewissen Jahr im Spiel verfügbar werden.
Die Bewohner der Städte von Transport Fever wollen von Zuhause aus zur Arbeit und zum Einkaufen gebracht werden. Doch was nutzen leere Ladenregale oder eine Produktionsstätte ohne Aufträge? Also muss auch der Bedarf an Gütern gedeckt werden.
Insgesamt gibt es 6 Konsumgüter, die an den Mann gebracht werden wollen. Alle sechs müssen jedoch vorher aus Rohstoffen hergestellt werden. Um Werkzeug und Maschinen für die Industrie herzustellen, bedarf es zum Beispiel Stahl, Holz und Kunststoff. Für das Holz müssen jedoch erst Bäume zum Sägewerk, für den Kunststoff Öl oder Getreide in eine Raffinerie und für den Stahl Eisenerz und Kohle zum Stahlwerk gebracht werden. Kunden für Eure Transportdienstleistungen gibt es also zu Genüge.

Um die Waren zu transportieren, darf der Spieler zwischen verschiedenen Arten von Straßen, Gleisen, Haltestellen und Bahnhöfen sowie Flug- und Seehäfen wählen. Je nach Standort der betreffenden Zielorte kann man auch schnell eine falsche Entscheidung treffen und das Unternehmen in die Miesen führen. Hier ist also vorausschauendes Denken und Planen notwendig.

Transport Fever stellt uns vor die Wahl zwischen einer amerikanischen und einer europäischen Kampagne, die jeweils im 19. Jahrhundert beginnen und bis ans Ende des 20. Jahrhunderts führen. Weiter gibt es wie schon in Train Fever ein freies Spiel, in dem es ohne Aufgaben um den Gewinn geht. Kapitalismus in Reinform also.

Manchmal kommt man beim Transport einfach nicht hinterher.

Manchmal kommt man beim Transport einfach nicht hinterher.

Die Spielmodi

Zu Spielbeginn empfiehlt es sich, das Tutorial durchzuspielen. Darin werden die grundlegendsten Techniken erläutert und man kann erste Erfahrungen sammeln. Tiefergehende Erklärungen zur durchaus komplexen Spielmechanik gibt es leider nicht – hier hilft es nur, herumzuexperimentieren.

Urban Games hat die Kritikpunkte der Spieler am ersten Teil der Serie ernst genommen und bieten den Spielern nun eine amerikanische sowie eine eurpäische Kampagne.
In beiden Kampagnen werden dem Spieler in jeder Mission nach und nach verschiedene Aufgaben gestellt, die immer im gleichen Schema ablaufen: Rohstoff oder Material zu beschaffen und zu einem bestimmten Ort zu bewegen – etwas anderes sollte man bei einem Transport-Simulator auch nicht erwarten. Die Aufgaben sind meist klar gestellt und es gibt immer verschiedene Arten, wie diese Güter transportiert werden. Ab und zu können kleinere Nebenaufgaben gelöst werden, die jedoch selten Einfluss auf die Hauptmission haben.
Die Kampagnen unterhalten die Spieler recht gut und dauern jeweils je nach Herangehensweise ungefähr zwischen 10 und 20 Stunden.

Vom 18.Jahrhundert im wilden Westen...

Vom 18.Jahrhundert im wilden Westen...

Außerdem gibt es noch das Kernstück von Transport Fever – das freie Spiel. Hier werden je nach Gusto des Spielers zufällige Karten mit Städten und Industrien erstellt, die nur darauf warten, von tüchtigen Geschäftsleuten erschlossen und mit Gütern versorgt zu werden. Hier gibt es keine Neuerungen, und das muss es auch nicht. Der Spielablauf ist klar und es ist dem Spieler selbst überlassen, mit welchen Transportlinien er beginnt und welche Städte mit was versorgt werden. Im freien Spiel erwarten uns keine speziellen Aufgaben und so kann man sein eigenes, maßgeschneidertes Imperium aufbauen.

...bis hin zu modernen Regionalexpressen. Es gibt eine große Auswahl an Fahrzeugen.

...bis hin zu modernen Regionalexpressen. Es gibt eine große Auswahl an Fahrzeugen.

Bei alledem begleitet den Spieler ein Soundtrack, der nicht nur nach einer kurzen Zeit, sondern fast sofort auf die Nerven geht. Glücklicherweise besitzt das Spiel eine Musiksteuerung, mit der man zwischen den Tracks auswählen oder die Musik ganz abschalten kann. Außerdem lassen sich leicht eigene Songs im Ressourcenordner des Spiels einfügen und peppen so den schrecklichen Soundtrack auf.

Die Umsetzung

Leider wird das Spiel mit zunehmender Zahl an Fahrzeugen auf der Karte immer ressourcenhungriger. Vor allem der Arbeitsspeicher wird sehr stark ausgelastet. Einige Rechner kommen vor allem ab der Einführung des Automobils für die Simulierten Bewohner der Städte an ihre Grenzen, denn der Weg der Männchen wird jeweils einzeln berechnet und korrekt dargestellt. An den Grafikoptionen kann man zwar ein wenig drehen, was aber nur begrenzt Besserung verschafft. Hier hätten wir uns vom Entwickler einige Möglichkeiten mehr gewünscht, das Spiel an das jeweilige System anzupassen.
Beim benötigten Festplattenspeicher gibt Urban Games 1GB  an – bei fast gleich gebliebenen, aber recht hübschen Grafik und den vielen verschiedenen Fahrzeugen kommt das ein bisschen zu wenig vor. Tatsächlich verbrauchte Transport Fever mit fast 10GB das Zehnfache!

Die Unterschiede zum Vorgänger kommen vor allem beim Streckenbau zur Geltung. War es bei Train Fever noch eine schreckliche Fummelei, Gleise oder Straßen kreuzen zu lassen, Abzweigungen oder Brücken zu bauen, so geht dies in Transport Fever erfreulich einfach von der Hand. Mehrfache Gleisabzweigungen oder Kreuzungen sind kein Problem, Häuser im Weg werden unter Angabe der Kosten automatisch abgerissen und Fahrzeuge auf den Linien takten sich automatisch sinnvoll ein. Jedoch bedachte man die Spieler auch mit einigen grafischen Änderungen; So altern die Fahrzeuge jetzt und setzen mit der Zeit Rost an. Außerdem kann man durch die Fenster in die Waggons und Busse sehen und einzelne Passagiere auswählen. Frühe Lokomotiven besitzen nun Lokführer und müssen nicht einsam ohne Besatzung durch die simulierte Welt streifen.

Auch kompliziertere Kreuzungen sind möglich.

Auch kompliziertere Kreuzungen sind möglich.

Wie bereits beim Vorgänger bietet Transport Fever von Haus aus eine Mod-Unterstützung via Steam Workshop. Die Entwickler bauen ganz gezielt darauf, dass die Community eigene Modifikationen und neue Fahrzeuge erstellt – das war auch bereits bei Train Fever der Fall und wurde sehr gut angenommen. Man scheint es sich jedoch leider ein wenig leicht gemacht zu haben und hat im Vergleich zum Vorgänger nur  einige wenige neue Fahrzeuge eingefügt.
Zusätzlich zur Mod-Unterstützung gibt es eine ganze Menge an Medaillen für gemeisterte Herausforderungen, die auch langfristig für Motivation sorgen dürften.

Leider fehlten uns einige Neuerungen, die dem Spiel ebenfalls sehr gut getan hätten. Zum Beispiel ist es weiterhin nicht möglich, Straßenbahngleise einzeln, also ohne Straße, zu verlegen. Auch gibt es immernoch keine Möglichkeit, Einbahnstraßen zu bauen, was mit den fehlenden Ampeln leider vor allem im späteren Spielverlauf zu vermeidbaren Verkehrsstaus führt. Hier lässt sich nur hoffen, dass die Entwickler noch Abhilfe schaffen.

Fazit

Die Schweizer hinter Urban Games haben viele Vorschläge der Spielerschaft tatsächlich umgesetzt und bieten so  im Vergleich zum Vorgänger zahlreiche sinnvolle Neuerungen. Insgesamt ist das Spielerlebnis deutlich abgerundeter und die Kampagnen als auch der freie Spielmodus sorgen für genügend Spielvergnügen, um für einige Zeit in die Transportwelt abzutauchen.
Leider fehlen einige Änderungen, die wir uns für Transport Fever gewünscht hätten und sorgen von Zeit zu Zeit für blanke Nerven.

Für Neulinge in der Transport-Welt ist das Spiel mit einem leichteren Spieleinstieg und einem angenehmen Preis von knapp 32€ zum Erscheinen durchaus einen Versuch wert. Spieler, die schon mit Train Fever Erfahrungen gesammelt haben, werden hier garantiert glücklich – versprochen!

Nachtrag vom 08.11.2016:

Bereits zum Release von Transport Fever sind bereits einige Fahrzeuge und eine neue Bauart für Brücken auf Steam Workshop verfügbar. Es ist zu erwarten, dass die starke Mod-Unterstützung von Transport Fever den Spielern noch weitere zahllose Modelle bescheren wird.

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